Walter Ziegler, Hrsg. Die Vertriebenen vor der Vertreibung. Die HeimatlÖ¤nder der deutschen Vertriebenen im 19. und 20. Jahrhundert: Strukturen, Entwicklungen, Erfahrung. MÖ¼nchen: iudicium Verlag, 1999. xv + 1073 S. DM 230.00 (kartoniert), ISBN 978-3-89129-046-0.
Reviewed by Claudia Kraft (Philipps-Universität Marburg)
Published on HABSBURG (October, 2000)
Das Bayrische Staatsministerium fuer Arbeit und Sozialordnung, Frauen und Gesundheit gibt seit einigen Jahren eine Reihe zu Vertriebenenintegration in diesem Bundesland heraus. Dabei handelte es sich bislang um solide gearbeitete Studien zur sozialen und oekonomischen Integration der Vertriebenen in Bayern in den ersten Nachkriegsjahren, die nicht nur die Vertriebenen, sondern auch die Aufnahmegesellschaft in den Blick nahmen. Anliegen des neuesten Werkes dieser Reihe ist es, die Lebensbedingungen in den Heimatlaendern der Vertriebenen zu schildern, um so eine Grundlage fuer weitere integrationsgeschichtliche Forschungen bereitzustellen (Vorwort, S. V). Herausgekommen ist ein zweibaendiges Werk von betraechtlichem Umfang, was um so bedauerlicher ist, sind hier doch oeffentliche Gelder in ein Projekt investiert worden, bei dem sowohl die Fragestellung als auch deren Bearbeitung von eher fragwuerdiger Nuetzlichkeit sind.
Schon allein der Titel Die Vertriebenen vor der Vertreibung macht stutzig, indem er die historische Chronologie ausser Kraft setzt und aus der Rueckschau eine Schicksalsgemeinschaft deutscher "Ostvertriebener" konstruiert, die es zwar im Denken und im Anspruch der Vetriebenenverbaende, nicht jedoch in der Realitaet so gegeben hat. Laesst man sich auf die innere Logik eines so formulierten Titels ein, so wird erkennbar, dass man es hier wieder einmal mit einer deutschtumszentrierten Betrachtung Osteuropas zu tun hat, die fern von strukturellen Fragestellungen einen Geschichtsraum unter volkstumspolitischen Vorstellungen konstruiert und in der Vertreibung quasi den Schlussstein einer ethnisch deutschen Durchdringung des oestlichen Europas sieht. Gerade die Ereignisse in den neunziger Jahren, wie etwa die massenhaften Vertreibungen in Folge des jugoslawischen Buergerkrieges haben dazu beigetragen, - auch in der Bundesrepublik Deutschland - das Thema Vertreibung in einer weiteren Perspektive zu sehen, als ein wichtiges Strukturmerkmal bei der Austragung ethnischer, konfessioneller und national begruendeter Konflikte. Dass 1999 erneut ein zweibaendiges Werk erscheinen kann, das jegliche Horizonterweiterung ablehnt, hat sicher zu einem guten Teil mit der spezifischen Verschraenkung von Osteuropa- und Volkstumsforschung zu tun, die erst kuerzlich sehr treffend auf der Mailingliste H-SOZ-U-KULT beschrieben wurde.[1] Dort wurde dringend eine "Modernisierung der Vertreibungsforschung" gefordert, die anders als in einem von den Vertriebenenverbaenden gewuenschten, erneut deutschtumszentrierten "Zentrum gegen Vertreibung" zu institutionalisieren waere.
In seiner Einleitung bedauert der Herausgeber, dass die deutschen Vertriebenen aus dem Osten zumeist als eine Einheit wahrgenommen und ihre unterschiedliche Sozialisation in den jeweiligen Herkunftslaendern ebenso wie ihr Zusammenleben mit den anderen Bevoelkerungsgruppen zu wenig beruecksichtigt wuerden. Um hier zu einer differenzierteren Betrachtungsweise zu gelangen, sollen die einzelnen Laenderkapitel des vorliegenden Werkes die wichtigsten Strukturmerkmale darstellen, die die deutschen Vertriebenen in ihren jeweiligen Herkunftslaendern praegten. Der Aufbau dieser Kapitel umfasst zunaechst eine geographisch-historische Laenderkunde sowie einen Abriss der politischen Geschichte des jeweiligen Herkunftslandes, wobei das 19. und 20. Jahrhundert im Mittelpunkt stehen. Im weiteren werden das Wirtschaftsleben, das Schulwesen sowie die konfessionellen Verhaeltnisse der deutschen Bevoelkerungsgruppen dargestellt. Abgeschlossen werden die Beitraege zu den einzelnen Laendern durch eine Uebersicht zu Kultur und Volkskunde bei den deutschen Minderheiten.
Leider muss man konstatieren, dass sich die Befuerchtung, die sich bei der Lektuere der Einleitung sowie der "Allgemeinen Betrachtung zum Deutschtum im Osten" von Walter Ziegler einschleicht, auch bei der Beschaeftigung mit den einzelnen Laenderkapiteln bestaetigt. Ausgehend von einem ethno-national gepraegten Volkstumsbegriff wird die Geschichte der Deutschen im Osten Europas vor allem als Kulturtraegermission beschrieben, bei der die Geschichte der Herkunftslaender und deren Bewohner allzu sehr im Hintergrund bleibt. Der in der Einleitung beklagte entdifferenzierende Blick auf die Vertriebenen in ihrer neuen Heimat wird gerade durch die von fast allen beteiligten Autoren unreflektiert uebernommene Terminologie vom "Deutschtum im Osten" perpetuiert. Nicht Beziehungsgeschichte sowie Fragen nach einem Prozess von wechselseitiger Rezeption und Adaption bei den einzelnen Bevoelkerungsgruppen im jeweiligen Herkunftsland stehen im Mittelpunkt, sondern eine perspektivisch verengte Darstellung dessen, was als eindeutig ethnisch deutsch in den einzelnen Regionen definiert werden kann. Der wissenschaftliche Nutzen einer solchen Betrachtungsweise wird um so fragwuerdiger, wenn sich die Autoren dabei einer volkstumskaempferischen Terminologie, wie sie vor allem in der Zwischenkriegszeit vorherrschend war, bedienen. Gerechtfertigt wird dieses Vorgehen damit, dass auch diese Terminologie Teil der Geschichte sei und ihre Problematisierung "von der geschichtlichen Wirklichkeit wegfuehren wuerde" (Einleitung, S. 11). Es ist zu bedauern, dass das Bemuehen um die Praezisierung und Verwissenschaftlichung des Osteuropa-Begriffs, das nicht zuletzt im Hinblick auf die konfliktgeladenen historischen Beziehungen der Deutschen zu ihren oestlichen Nachbarn von eminent wichtiger Bedeutung ist, an den Autoren des vorliegenden Werkes anscheinend spurlos voruebergegangen ist.[2]
Somit kann man feststellen, dass der deutsche Anteil an den jeweiligen Landes- und Nationalgeschichten ueberbetont, waehrend den Prozessen des Zusammenlebens, der gegenseitigen kulturellen und sozialen Durchdringung viel zu wenig Raum eingeraeumt wird. Ja, selbst die vielfaeltigen Arten von nationalen Spannungen, die sich aus den jeweiligen Mehrheits- und Minderheitsverhaeltnissen entwickelten, treten vor der Darstellung des deutschen Kulturtraegereinflusses zurueck. Damit aber wird die ganze Konzeption des vorliegenden Werkes fraglich, da historische Forschung ganz stark durch ihre ursachenerklaerende Funktion gekennzeichnet ist. Welchen Sinn hat eine Darstellung der "Heimatlaender der deutschen Vertriebenen", wenn sie nicht auf den Aspekt der Nationalitaetenkonflikte eingeht, der das spaetere Schicksal nicht nur der Deutschen, sondern auch vieler anderer Bevoelkerungsgruppen dieser Region entscheidend mitbestimmt hat? In diesem Sinne ist auch die aeusserst kursorische Beleuchtung der Kriegsereignisse und der durch die Nationalsozialisten vorgenommenen Vertreibungen fragwuerdig, da man ohne die Kenntnis ihres engen Zusammenhangs mit der Vertreibung der Deutschen aus dem oestlichen Europa letztere in ihrer ganzen Tragweite nicht beschreiben kann.
Die Reihe der Laenderkapitel eroeffnet die Darstellung der nach dem Zweiten Weltkrieg an Polen gefallenen deutschen Ostgebiete (Sabine Rehm, Angelika Fox). Hier dominieren Ausfuehrungen zur preussisch-deutschen Verwaltungsgeschichte, waehrend der Aspekt der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte, die viele Regionen dieser Gebiete entscheidend praegte, stark unterbelichtet bleibt. Dabei implizierte die Polenpolitik des preussischen Staates nicht nur das Anwachsen nationaler Antagonismen, sondern auch die Transformation und Modernisierung der beiden Gesellschaften. Die Behandlung der Provinzen Ost- und Westpreussen zeichnet sich durch das Streben nach ethnisch eindeutiger Zuordnung der Bevoelkerungsgruppen aus. Slawischsprachige Minderheiten wie Masuren oder Kaschuben kommen nur am Rande vor, wobei die Spezifik ihrer regionalen und zunaechst gar nicht in erster Linie national gepraegten Identitaet nicht wahrgenommen wird. Im Vergleich dazu ist das Kapitel zu Schlesien aussagekraeftiger, da hier genauer auf die Problematik von wechselnden nationalen Optionen der sich vor allem regional definierenden Oberschlesier eingegangen wird. Generell dominiert die Politikgeschichte ueber die Darstellung der Alltagsbeziehungen zwischen den einzelnen Bevoelkerungsgruppen. Fragwuerdig erscheint die Abhandlung der beiden Reichsgaue Danzig-Westpreussen bzw. Wartheland (Stephan Deutinger) in einer Reihe mit den "normalen" ehemaligen deutschen Ostgebieten. Die Art, wie diese beiden im Rahmen der nationalsozialistischen Kriegs- und Vernichtungspolitik entstandenen Verwaltungseinheiten beschrieben werden, steht exemplarisch fuer den Umgang mit dem durch die Nationalsozialisten entfesselten Zweiten Weltkrieg. Die Bedeutung, die sechs Jahre brutaler Besatzungspolitik auf das deutsch-polnische Verhaeltnis haben mussten, wird ebensowenig problematisiert wie die Rolle, die die in grossem Umfang von den Nationalsozialisten initiierten Umsiedlungsprojekte fuer die Konzeption einer "ethnisch bereinigten" Nachkriegsordnung spielten. Hier wie auch in den meisten anderen Laenderkapiteln sind die kuenftigen ostdeutschen Vertriebenen vor allem Opfer des Krieges, dessen Ende fuer sie mindestens genauso viele Grausamkeiten bereithielt, wie die Besatzungszeit fuer die Polen (S. 269).
Das Kapitel zu den Deutschen im nach dem Ersten Weltkrieg wiederentstandenen polnischen Staat (Matthias Lempart) betont zurecht die Inhomogenitaet, die diese Bevoelkerungsgruppe auszeichnete. Begruendet lag diese nicht nur in den unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen der zu unterschiedlichen Zeiten nach Polen eingewanderten Deutschen, sondern auch in den unterschiedlichen historischen Erfahrungen, die Deutsche im geteilten Polen waehrend des neunzehnten Jahrhunderts gemacht hatten. Hier haette man sich gewuenscht, dass der Autor staerker auf die Praegung durch die Teilungszeit eingegangen waere und untersucht haette, ob es neben einem deutsch-polnischen Antagonismus nicht auch so etwas wie etwa galizisch-preussische Abgrenzungsbemuehungen gegeben hatte, bei denen die Segregation nicht an nationalen Trennlinien, sondern an den ehemaligen Teilgebietsgrenzen verlief. Die Darstellung bleibt sehr schematisch, da sie sich vor allem auf die Bedeutung der diplomatischen deutsch-polnischen Beziehungen fuer die Entwicklung des Zusammenlebens zwischen polnischer Mehrheit und deutscher Minderheit stuetzt. Die Trennung zwischen einer apolitischen Finanzierung der Minderheit durch die Weimarer Republik und einer politisch instrumentalisierten Unterstuetzung durch die Nationalsozialisten ist zu vordergruendig (S. 451). Auch die Weimarer Republik verfolgte handfeste politische Ziele, wie auch in bereits aelterer Forschungsliteratur nachzulesen ist.[3]
Der zweite Band wird mit dem Laenderkapitel zur Tschechoslowakei eroeffnet. Es gliedert sich in die Behandlung der Sudetendeutschen im tschechischen (Manfred Fleischer, Walter Ziegler, Mary Anne Eder, Markus Moesslang) und der Karpatendeutschen im slowakischen Teil (Matthias Lempart) der Republik. Die Darstellung ist im Vergleich zu den ehemaligen deutschen Ostgebieten und Polen facettenreicher und ausfuehrlicher. Es wird auch staerker auf nichtdeutsche Literatur rekurriert und sich darum bemueht, die zunehmend anwachsenden nationalen Gegensaetze aus den Alltagsbeziehungen zwischen den einzelnen Bevoelkerungsgruppen zu erklaeren. Dabei wird das Schicksal der Deutschen auch vor dem Hintergrund der anderen nationalen Minderheiten der CSR reflektiert. Allerdings ist auch in diesem Kapitel die Tendenz zu spueren, die Durchdringung der deutschen Bevoelkerungsgruppe mit nationalsozialistischem Gedankengut als etwas anzusehen, das von aussen ueber diese Menschen gekommen sei und im Grunde keinerlei Bezug zu ihren "unschuldigen" volkstumspolitischen Anspruechen an die tschechoslowakische Republik habe.
Die Schwaeche einer rein auf die "grosse Politik" konzentrierten Darstellung offenbart sich am deutlichsten in den beiden Laenderkapiteln zu Ungarn und Jugoslawien (Norbert Spannenberger). Aus der Rueckschau wird der zunehmende Einfluss der reichsdeutschen Nationalsozialisten auf die deutschen Minderheiten als eine logische Entwicklung der repressiven Minderheitenpolitik der Herkunftslaender bzw. der Infiltration deutscher Minderheitenpolitiker mit nationalsozialistischem Gedankengut betrachtet. Dabei geraten Ansaetze des friedlichen gemischtnationalen Zusammenlebens, wie es im Rahmen der "Idee der Stephanskrone" fuer die Deutschen Ungarns propagiert wurde, aus dem Blick. Zugleich erfolgt damit eine Dichotomisierung zwischen "idealistischen Volkstumskaempfern" und willigen Befehlsempfaengern von SS und Volksdeutscher Mittelstelle (S. 913), die in dieser Eindeutigkeit sicher nicht zu ziehen ist. Deutlich ist bei dem Autor dieser beiden Kapitel das Beduerfnis erkennbar, die deutschen Minderheiten in einer Opferrolle zu sehen: sei es gegenueber den ihren nationalen Ambitionen ignorant gegenueberstehenden Mehrheitsvoelkern oder gegenueber den Nationalsozialisten, fuer die sie nur eine Variable in ihrem aussenpolitischen Programm waren. Ausgewogener ist der Abschnitt zur deutschen Minderheit in Rumaenien (Mary Anne Eder, Bettina Scherbaum). Allerdings haette man sich auch hier ein naeheres Eingehen auf die Alltagskontakte zwischen deutschen und anderen Nationen im rumaenischen Staat gewuenscht. Gerade die besonders starke ethnische Fragmentierung der nach dem Ersten Weltkrieg neuentstandenen Staaten Suedosteuropas legt eine Darstellungsweise nahe, die anstatt der isolierten Betrachtung der deutschen Minderheit ein gesamtgesellschaftliches Panorama von der Aushandlung ethnischer sowie konfessioneller Konflikte zeichnet.
Abgeschlossen wird der Band durch die Betrachtung der Deutschen in den baltischen Laendern (Stephan Deutinger) sowie in der Sowjetunion (Claudia Friemberger). Beide Beitraege sind sehr kursorisch gehalten und bieten kaum mehr Informationen als die allgemeinen Nachschlagewerke, auf die sich vor allem der Beitrag zum Baltikum groessenteils bezieht. Befremden ruft in diesem Kapitel die Argumentation hervor, dass die im Zuge der Folgen des Hitler-Stalin-Paktes vor allem in den Reichsgau Wartheland umgesiedelten Balten aufgrund ihrer bald darauf erfolgenden Vertreibung der moralischen Fragwuerdigkeit ihres Handelns (gemeint ist wohl ihre Ansiedlung auf ehemals polnischem bzw. juedischem Besitz) enthoben wurden (S. 995). Das Schicksal der Russlanddeutschen unterschied sich im Vergleich zu allen anderen deutschen Minderheiten dahingehend, dass sie als einzige Gruppe im Zuge des Zweiten Weltkriegs mehrheitlich der Deportation anheimfielen (von ca. 1,5 Mio. Russlanddeutschen wurden ca. 970.000 in das Innere der Sowjetunion deportiert).
Die ueber tausend Druckseiten der beiden Baende liefern eine Fuelle von Informationen. Ihre Kompilation ist jedoch nur von begrenztem Nutzen, da die dem Werk zugrunde liegende Konzeption eher dazu angetan ist, eine traditionelle Sicht auf das "Deutschtum" im Osten zu verfestigen. Die Tatsache, dass oftmals veraltete Literatur die Grundlage fuer die einzelnen Laenderkapitel darstellt und die Sprache volkstumspolitischer Agitation aus der ersten Jahrhunderthaelfte haeufig unreflektiert uebernommen wird, machen es eher zu einem Fossil der hoffentlich bald endgueltig zu den Akten gelegten deutschen "Ostforschung" denn zu einem nuetzlichen Nachschlagewerk.
Anmerkungen
[1]. Rainer Ohliger, "Vertreibungsforschung, Ost(europa)forschung, 'Deutschtumsforschung'? Zwei Debatten - ein Konflikt und einige (un)zeitgemaesse Betrachtungen zu Pfingsten" (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/beitrag/essays/ohra0600.htm).
[2]. Die Debatte wird seit 1998 vor allem in der Zeitschrift "Osteuropa" ausgetragen. Allerdings haette auch die Lektuere des von Klaus Zernack bereits 1977 verfassten Buches Osteuropa. Eine Einfuehrung in seine Geschichte hilfreiche Unterstuetzung beim Bemuehen um mehr begriffliche Klarheit leisten koennen. Das Fehlen von strukturbildenden Fragestellungen bei der Beschaeftigung mit dem oestlichen Europa sah er zu einem grossen Masse in der Konzentration auf einen fragwuerdig konstruierten, ethnischen Osteuropa-Begriff begruendet, der in der Tradition einer in der Romantik entstandenen Geschichtssauffassung stand. Seine vor gut zwanzig Jahren geaeusserte Annahme, dass eine Abgrenzung zur deutschtumszentrierten Ostforschung schon zu einem guten Stueck gelungen sei, ohne dass dabei der "beziehungsgeschichtlich relevante Anteil des deutschen Anteils der osteuropaeischen Geschichte" aus dem Blick geraten sei, sollte sich jedoch gerade im Hinblick auf das verbandsnahe Thema der Vertreibung der Deutschen als zu optimistisch erweisen, Klaus Zernack, Osteuropa. Eine Einfuehrung in seine Geschichte (Beck'sche Elementarbuecher, Muenchen: Beck, 1977), S. 18. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Debatte um die Konzeption des 1999 von Harald Roth herausgegebenen Studienhandbuch Oestliches Europa. Band 1: Geschichte Ostmittel- und Suedosteuropas (Boehlau Studienbuecher, Koeln u.a.: Boehlau 1999), in der es erneut um die Vergewisserung von Strukturelementen und Raumbegriffen geht, die die Beschaeftigung mit dem oestlichen Europa praegten und praegen. Besonders instruktiv im Zusammenhang mit dem hier vorgestellten Werk erscheinen in dieser Debatte die Ausfuehrungen von Norbert Kersken, der eine ungenuegende Beruecksichtigung der "strukturellen Bindung der deutschen Geschichte an die neuzeitliche polnische und boehmische Geschichte" konstatiert und damit die "beziehungsgeschichtliche Basis der mitteleuropaeischen Geschichte" zu wenig beruecksichtigt sieht. Durch die zu starke Konzentration auf die durch nationale Konflikte gepraegten letzten beiden Jahrhunderte stellt er eine begriffliche Verengung aufgrund der dominierenden nationalen Kategorien auch fuer die Darstellung des Mittelalter und der Fruehen Neuzeit fest, s. Zeitschrift fuer Ostmitteleuropa-Forschung 49 (2000) Nr. 2, S. 242-262, hier S. 242-243.
[3]. Norbert Krekeler, Revisionsanspruch und geheime Ostpolitik der Weimarer Republik. Die Subventionierung der deutschen Minderheit in Polen (Vierteljahreshefte fuer Zeitgeschichte, Schriftenreihe 27, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1973).
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Citation:
Claudia Kraft. Review of Ziegler, Walter; Hrsg., Die Vertriebenen vor der Vertreibung. Die HeimatlÖ¤nder der deutschen Vertriebenen im 19. und 20. Jahrhundert: Strukturen, Entwicklungen, Erfahrung.
HABSBURG, H-Net Reviews.
October, 2000.
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